Kempen/Grefrath. Der Kurs stimmt, die Zahlen ebenfalls: Die Volksbank Kempen-Grefrath hat sich im vergangenen Jahr positiv weiterentwickelt. Die Kundeneinlagen sind um rund 1,6 Prozent gestiegen; auch die Kredite legten zu. Die Bilanzsumme – so Vorstandsvorsitzender Josef Stieger – ist um vier Millionen Euro auf jetzt 317 Millionen Euro gestiegen.

 

„Unsere Mitglieder und Kunden wollen, dass ihr Geld in der Region arbeitet“, sagte Stieger: „Und sie setzen aktuell stark auf Sicherheit. Das entspricht genau unserem Geschäftsmodell – und deswegen sind wir erfolgreich. Generationenpartnerschaft statt Quartalsberichte – das ist unsere Philosophie.“

 

Diesen sicheren Weg werde die Volksbank auch im Internationalen Jahr der Genossenschaften 2012 konsequent fortsetzen. Die Vereinten Nationen unterstreichen mit dieser Ehrung die Vorbildfunktion der Gemeinschaftsunternehmen: Genossenschaften würden weltweit die Verbindung von Wirtschaftlichkeit und sozialer Verantwortung vorleben. Gerade in Krisenzeiten bewähre sich dieses Modell von Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung.

 

Tatsächlich kommen aktuell wieder vermehrt Anleger in die Geschäftsstellen der Volksbank Kempen-Grefrath, die ihr Sparguthaben von staatlich gestützten beziehungsweise durch Stresstests gefallenen Banken abziehen: „Wie zu Zeiten der Lehman-Krise erklären wir derzeit häufig, wie unsere Sicherungseinrichtung funktioniert und dass bei uns alle Spareinlagen in unbegrenzter Höhe gesichert sind. Manchem müssen wir das sogar mit unserer Unterschrift garantieren“, berichtete Stieger.

 

Zugleich laufe das Wertpapiergeschäft derzeit nur mit Garantieversprechen auf Kapitalerhalt. Aktien hätten im vergangenen Jahr deshalb nur noch Mitglieder und Kunden gekauft, die seit Jahren darin investieren. „Dabei sind Aktien ebenfalls Investments in reale Werte, zumindest wenn es um bonitätsmäßig einwandfreie Unternehmen mit guter Dividende geht. Wer die aktuelle Inflation kritisch sieht, findet hier gute Anlagechancen“, so Stieger: „Ich kann aber auch verstehen, dass die meisten Menschen sich die Gesamtentwicklung zum Beispiel des DAX anschauen und zögern.“ Über das ganze Jahr gesehen, habe nicht nur der wichtigste deutsche Aktienindex nach einer intensiven Wachstumsphase an Wertzuwachs verloren. Entsprechend sei das Gesamtvermögen der Wertpapiere in den Kundendepots leicht gesunken.

 

Auch die Volksbank selbst hat ihr Anlageverhalten verändert, allerdings schon vor zwei Jahren: „Seitdem investieren wir nicht mehr in Banken außerhalb des genossenschaftlichen Verbundes“, machte der Vorstandsvorsitzende deutlich. Und Anleihen von Staaten mit zu hohen Schulden besitze man ebenfalls keine: „Wir machen lieber reelle Geschäfte mit realen Menschen und realen Unternehmen aus der Region.“

 

Bei den Geldanlagen setzen die Mitglieder und Kunden weiterhin auf kurzfristige Einlagen. Auf den Gehalts-, Geschäfts- und Tagesgeldkonten liegen beispielsweise erstmals annähernd rund 100 Millionen Euro und damit elf Prozent mehr als im Vorjahr. Vor fünf Jahren lag diese Anlageform noch bei rund vierzig Millionen Euro. „Wir empfehlen unseren Mitgliedern und Kunden weiterhin, regelmäßig einen Teil des kurzfristig verfügbaren Geldes mittel- und langfristig anzulegen, um Zinsverluste zu vermeiden“, so der Vorstandsvorsitzende.

 

Entsprechend ist auch das Wachstumssparen deutlich angewachsen. Um 17 Prozent auf 61 Millionen Euro legte diese Sparform zu. Hier sind Laufzeiten von drei und sechs Jahren sehr gefragt, zumal der Anleger bereits nach einem Jahr wieder über das Geld verfügen kann. Festgeld dagegen hat an Attraktivität verloren.

 

„Alles in allem haben wir bei den Kundeneinlagen innerhalb der Bilanz mehr als drei Millionen Euro so genanntes „frisches Geld“ hinzubekommen“, freute sich Steiger: „Und das nach dem starken Wachstum der vergangenen Jahre.“ Zum Jahresende jedenfalls lagen die Kundeneinlagen bei rund 210 Millionen Euro. Zieht man die vermittelten Vermögensanlagen hinzu, kommt man auf ein Gesamtkundenvermögen von 315 Millionen Euro.

 

Mit dem Geld der Bürger aus Kempen und Grefrath finanzierte die Volksbank auch im vergangenen Jahr vor allem Projekte der Immobilienkäufer und Häuslebauer in der Region sowie heimische Gewerbetreibende. „Wir haben in 2011 ein Neugeschäft bei den Kundenkrediten in Höhe von 20 Millionen Euro. Angesichts der enormen Tilgungsleistungen von ebenfalls 20 Millionen Euro jährlich eine beachtliche Summe, die nicht ständig erreichbar ist“, sagte Stieger.

 

Gestiegen ist auch der Kreditbedarf für den Konsum – allerdings nicht, weil die Menschen am Niederrhein neuerdings gerne auf Pump leben würden. Das tun sie nämlich traditionell nicht: „Bis vor kurzem war der Verbraucherkredit bei uns durchaus mit Aufwand und Zeit verbunden. Etliche Kunden haben deshalb Konsumkredite aus Komfortgründen bei Wettbewerbern aufgenommen. Das müssen sie jetzt nicht mehr, da wir schneller geworden sind und zugleich auch günstiger.“ Die Konsumentenkredite erhöhten sich um beachtliche 24 % auf über 5 Mio. Euro.

 

Durch attraktive Zinsen wurden auch vermehrt Förderkredite aus staatlichen Quellen sowie Darlehen der R+V-Versicherung vermittelt. Das betreute Gesamtkundenkreditvolumen stieg deshalb auf jetzt 197 Millionen Euro.

 

Ein leichtes Plus gab es bei den Mitgliederzahlen. Aktuell hat die Volksbank 5.753 Teilhaber, 172 waren in 2011 neu hinzugekommen. „Im Jahr der Genossenschaften wollen wir das 6.000. Mitglied begrüßen“, sagte Stieger: „Das ist ein sehr anspruchsvolles Ziel. Aber wir wollen, dass alle gute Kunden sagen können, dass sie Mitbesitzer ihrer Bank sind.“

 

Größere bauliche Investitionen plant die Kreditgenossenschaft in diesem Jahr nicht: „Wir haben zuletzt unsere Hauptstelle in Kempen modernisiert. Jetzt geht es darum, die Kompetenz unserer Mitarbeiter und damit die Qualität unserer Beratung zu steigern“, so der Vorstandsvorsitzende: „Leider müssen wir auch investieren, um die weiter steigenden Auflagen und Vorgaben von Gesetzgeber und Aufsicht zu erfüllen.“ Hier koste die zunehmende Bürokratie spürbar das Geld der Mitglieder und Kunden.

 

Besser wäre es, sagte Stieger, die internationalen Finanzkonzerne und anonymen Internetbanken würden stärker kontrolliert: „Aber uns wirft man unverständlicherweise bei Basel II und III, Stresstests und Verbraucherschutz mit in den gleichen Topf. Dabei sind wir inmitten der Staatsschulden- und Finanzmarktkrise kerngesund. Sogar die Rating-Agenturen haben unsere genossenschaftliche Finanz-Gruppe heraufgestuft und an die Spitze der deutschen Bankenlandschaft gestellt.“ Darüber werde er auch am 15. März auf der Vertreterversammlung der Volksbank berichten.

 

Zahlen:      2007    2008    2009    2010    2011

Bil.Su           277         299      310       312       317

Kredit          166         164      165       163       163

Einlagen      178         195      196       205       209

Mitglieder 5.575      5.592    5.676    5.696   5.753

 

Weltwirtschaft:

Zu viele Spritsparer unterwegs!

Der Weltwirtschaft wird 2012 ein hochtouriger Motor fehlen, der Regionen mit schwachem Wachstum mit sich ziehen kann. Viele Staaten haben lange Zeit mit dem Bleifuß Gas gegeben und müssen nun Sprit sparen. Die Zeiten, in den Wachstum mit staatlichem und privatem Konsum auf Pump stimuliert wurden, sind vorbei. Ein neues Wachstumsmodell ist nicht in Sicht. Was die Industrieländer auch tun, um Schulden abzubauen – es wird die Wirtschaft bremsen. Zur Auswahl stehen niedrige staatliche Leistungen, höhere Steuern sowie die Geldentwertung. Die Politik wird einen Mix aus allem wählen.

 

Konjunktur/Deutschland

Während viele Wirtschaftsauguren die Aussichten der deutschen Wirtschaft in Grau oder Schwarz malen, sehen wir das Jahr 2012 positiver.

 

Die Auftragsbücher sind voll, die Geschäftserwartungen immer noch sehr gut und die verbesserte Eigenkapitalausstattung macht vielen Unternehmen widerstandsfähig gegen Konjunkturschocks. Von ihrer Wettbewerbsfähigkeit können die deutschen Unternehmen noch einige Jahre zehren. Hinzu kommt ein Konsumanstieg im Inland, der den abflachenden Exportboom ein Stück wett machen kann. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der Ende 2011 wieder zugelegt hat, bestätigt unsere optimistische Einschätzung. Die Fakten sprechen gegen eine Stagnation oder gar eine Rezession in Deutschland.

 

Die meisten Branchen der deutschen Wirtschaft gehen für 2012 weiter von einem ordentlichen Wachstum aus.

Volksbank
Kempen-Grefrath eG
BLZ: 32061414
DAX Chart